-------------------------------------- Samsas Traum - Das Zeitalter der Bäume -------------------------------------- Am Ende meines Lebens stehe Ich, die Hände in den Taschen, Vor den strengen Blicken des Gerichts. Durch dieselben stolzen Lippen Und die gelben alten Zähne Zischt es: Ich bereue weniger als nichts. Von jeder meiner Taten und Von jedem meiner Worte bis ins Mark der morschen Knochen überzeugt Bin ich von Deinen Kindern doch Das Letzte, das sich heute wie ein Reumütiger Sünder vor Dir beugt. Mit der Spitze meiner Zunge Hob ich unzählige Gräber aus, Das Tischlein deckt sich jede Nacht mit Dir, der Erde Leichenschmaus, In mir wächst eine Hölle, Rabenschwarz und scharlachrot Ich beherrsche eine Sprache, Und ihr Name lautet "Tod". Am Ende der Geschichte stehe Ich vor meinem Schöpfer, jeder Satz durchdringt die Stille wie ein Blitz: Man empfindet nichts als Ekel Für die Herde, Deine Lämmer, Das von dir verlangte Mitleid ist ein Witz. Ich frage mich, oh Hoheit, und ich Gebe zu, dass selbst das Beil im Nacken meinen Spott nicht mehr kaschiert, Wie einem der unfehlbar ist, Der größte aller Fehler, wie die Menschheit einem Gott so leicht passiert. Alles was ich wollte War die Ausrottung der Rasse, Jener jeden Stern beschämenden Und selbstverliebten Masse, Die sich hinter ihrem Fortschritt Und der Mähr des Intellekts versteckt Und gänzlich frei von Einsicht meine Welt mit ihrem Kot befleckt. Am Grund der Seele, in meinen Träumen Ist Schönheit Stille, nichts als Wind in alten Bäumen. Über den Lärm der Städte, das weite Land Gewinnt das Lied der Blätter die Oberhand. Wenn sich die Ähren im Sturme wiegen, Dann weiß ich: Eines Tages werden wir siegen. So lasst uns jetzt die Stimmen heben: Der letzte Stamm wird auch die Menschheit überleben. An alle Männer und jede Frau: Gleich welcher Herkunft, Der Rauch ist grau. An alle Staaten, alle Nationen: Wegen der Farbe wird man Niemanden verschonen. Alles was ich wollte War dass alles, wars erbärmlich Auf das Angesicht der Erde speit, An Geist und Seele ärmlich, Aus den Augen, aus den Ohren Gar aus allen Sinnen schwindet, Und den Weg in die Bestimmung Ohne jeden Umweg findet. Alles was ich wollte War das Ende falschen Lebens, War der Abschied von der Eitelkeit, Die Konsequenz des Strebens Nach dem höchsten Gut, der Wissenschaft Nach Macht und Perfektion: Ich verlange die Totale Annihilation. Alles was ich wollte War der Genozid an restlos allen Völkern, dass sie wie Figuren auf dem Schachfeld niederfallen, Dass sich dieser Boden Von dem Blut des Abschaums reinige: Ein Menschenleben ist nichts wert, Nicht einmal das Meinige. ------------------------ Schandmaul - Der Hofnarr ------------------------ Possen reißen, witze machend, ich so manches Herz erfreu. Den Ball jonglierend, Feuer spuckend, unterhalte ich die Leut' des Hofes - König, Königin und ihre zarte Tochter, weil ich der Narr des Hofes bin, ein Clown, ein ausgekochter. Das Kind des Königspaares ist es, welches mir den Kopf verdreht. Bin schwer verwirrt, wenn ich ihr Antlitz, ihre Schönheit, Anmut seh'. So kam es, dass ich - obwohl vom Stande lange nicht berechtigt war - um ihre Hand anhielt, beim König vorsprach - bin der Narr. "Meine Tochter willst du, Narr, wenn Herrscher würden alles geben? Sei König, mit Gold, Land und Volk, dann sollst du mit ihr leben." Ich bin der Narrenkönig - König aller Narren bin ich wohl! Mein Volk die Menschen, die gern lachen und mein Gold mir innewohnt! Mein Land ist doch die ganze Welt - wer denn könnte ihr mehr geben? Gib mir deine Tochter, Meister, soll fortan glücklich leben! Ich bin der Narrenkönig - König aller Narren bin ich wohl! Der König, nein, das ganze Volk lacht ob der dreisten Tat. "Seht, der Narr will König sein!" Ich war Gespött im ganzen Staat. So zog ich fort mit schwerem Herzen, fort von Schloss und Heimatstadt. Nur ein Mensch winkte traurig meiner, als ich ritt ins Tal hinab. So ritt ich hierhin, ritt ich dorthin, blies mit Trübsal mir den Marsch, bis ich hört' des Königs Botschaft, welche verbreitete sich rasch: "Die liebst Prinzessin ist verfallen gar fürchterlicher Depression, wer eilt und sie zum Lachen bringt, der soll sie sich zum Weibe holen." So will ich denn mein Glück versuchen, wenn nicht der Narr, wer könnt es dann? Gesagt getan, so stand ich vor ihr und mein Lied begann: Ich bin der Narrenkönig - König aller Narren bin ich wohl! Mein Volk die Menschen, die gern lachen und mein Gold mir innewohnt! Mein Land ist doch die ganze Welt - wer denn könnte ihr mehr geben? Schenk mir ein Lächeln, Schöne, sollst dann fortan glücklich leben! Ich bin der Narrenkönig - König aller Narren bin ich wohl! So gab ich alles, was ich kannt', spielte mein ganzes Repertoire und sie lachte, jeder lachte, das ganze Land am Lachen war! Auch der König musst' gestehen, dass ich die beste Medizin für seine liebe Tochter - ich der Narrenkönig bin. ---------------------------- Schandmaul - Der letzte Tanz ---------------------------- Mit schmetterndem Getön', Fanfaren und Trompeten, am Hof das Fest des Frühlings. Im Wind die Fahnen wehten. Nebst Speis und Trank und viel Gesang zur Freud' der Menschen all, ein Turnier im lanzenstöß, der Preis war kolossal. Wer als letzter auf dem Rosse - derweil die anderen alle liegen - darf mit des Königs liebster Tochter beim Tanz die Glieder biegen. So kamen sie von nah und fern und stürzten ins Gefecht, denn für diese tolle Frau waren so mache Schmerzen recht. Als sich ein junger Edelmann schon fast als Sieger wähnte, sah er den schwarzen Ritter an, wie er am schwarzen Pfere lehnte. "Willst du kämpfen oder warten!?" schrie der edelmann und ehe er es sich versah spürte er wie man fliegen kann. Der letzte Tanz! Sie ist so zart wie die Rose. Der lette tanz! Es berührt sie sacht der Zeitlose. So war es denn geschehen, der schwarze Ritter war der Sieger. "So will ich denn den Preis mir holen." sagte er und kniete sich nieder. Schwarze Wolken zogen auf, als die Musik zum Tanze rief. Das Volk blieb nunmehr angstvoll stehen, als es gewahrte, was dort lief! Der letzte Tanz! Sie ist so zart wie die Rose. Der lette tanz! Es berührt sie sacht der Zeitlose. ----------------------- Schandmaul - Der Schatz ----------------------- Dem König ward ein Schatz gestohlen, wir sollten ihn ihm wiederholen. Es hieß, es würd' ihn furchtbar grämen, fürstlich der versprochene Lohn. Der Grund sich der Dinge anzunehmen und auf große Fahrt zu gehen. Da war der eine - mit sich nicht ganz alleine - der wohl niemals ein Wort sprach doch gut mit Pfeil und Bogen traf. Und da war der, der größer als ein Baum - der konnte zuhauen. Und da war die Kleine - die hatte vielleicht Beine - sie war die Schlauste und war schön wie keine. Und schließlich ich, ihr Anführer wohl, als Vagabund das Land kannt'. So zogen wir los dem Schatz auf der Spur. Ist's Gold oder Silber, ist's Edelstein pur? Keiner wusste was es war und das war sehr sonderbar... Des Königs Schatz ist auf der Flucht, getrieben von der Eifersucht! Er hatte wohl zu viel Mätressen, dabei sein eigenes Weib vergessen! So zogen wir von Stadt zu Stadt, fragten wer gesehen hat, welch' übler Lump den Schatz geklaut oder wie er ausschaut, doch niemand hatte was gesehen, von diesem Frevel, dem Vergehen. Doch dann wurden Gerüchte laut, von einer wunderschönen Braut, die durch das Land lief, hier und da, doch für jeden Fremde war. Vielleicht ja sie die Freche Diebin, wir folgten ihr geschwind hin. So zogen wir los dem Schatz auf der Spur. Ist's Gold oder Silber, ist's Edelstein pur? Keiner wusste was es war und das war sehr sonderbar... Refrain Als wir die Frau dann schließlich fanden, ihr sogleich die Hände banden, schauten wir genauer hin: "Seht! Es ist die Königin!" Sie erzählt uns Sachen unter Tränen, die wir nicht mehr erwähnen... Refrain --------------------------- Schandmaul - Die Tür in mir --------------------------- Meine Welt misst der Schritte drei auf drei, In der Höhe sind es zwei! Ich kann nichts sehen, ich kann nur tasten, Fühle nassen, kalten Stein, Auf dem Boden fühl ich Stroh Und in den Ecken liegt Gebein. Ich hör Geräusche in der Nacht! Sie vergeht so quälend hier, die Zeit! Gefangen und gefoltert - Solange bis ich denn gestand, Die Taten eines Anderen, Entschwunden unerkannt. Ich bin geflohen in dieser Nacht! Ich habe einen Weg entdeckt! Er führt ganz tief in mich hinab, Ganz tief in mich hinab... Ich bin schon gar nicht mehr hier! Ich bin geflohen durch diese Tür! Ich bin schon gar nicht mehr hier, Ich bin geflohen durch die Tür, Die Tür in mir! Wie Lange bin ich schon an diesem Ort? Ich weiß es nicht genau. Ich weiß nur, dass mein Bart, Mir schon reicht bis an die Brust. Ich weiß nur, dass ich dürr und krank, und ständig husten muss! Seit kurzem bin ich nicht allein. Jemand spricht so nett zu mir... Es ist schön mit ihm zu plaudern, Ihr zu klagen meine Pein, Er versteht mich und sie tröstet, Und ich bin nicht allein! Ich bin geflohen in dieser Nacht! Ich habe einen Weg entdeckt! Er führt ganz tief in mich hinab, Ganz tief in mich hinab... Ich bin schon gar nicht mehr hier! Ich bin geflohen durch diese Tür! Ich bin schon gar nicht mehr hier, Ich bin geflohen durch die Tür, Die Tür in mir! Ich bin geflohen in dieser Nacht! Ich habe einen Weg entdeckt! Er führt ganz tief in mich hinab, Ganz tief in mich hinab... Ich bin schon gar nicht mehr hier! Ich bin geflohen durch diese Tür! Ich bin schon gar nicht mehr hier, Ich bin geflohen durch die Tür, Die Tür in mir! ------------------------ Schandmaul - Drei Lieder ------------------------ Ein hoher Fürst rief zum Turnier der Barden und der Sänger hin. Sie sollten spielen ihre Lieder. Ihm zu frönen - dass der Sinn. Dem Sieger winkte Gold und Silber. Und so eilten sie herbei. Die Luft erfüllt von ihren Klängen, ein großes Fest für das Volk dabei. Viele hatten schon gesungen, als ein junger Mann trat vor: "Darf ich Euch mein Liedlein singen?" Der Pöbel johlte laut im Chor. Lied 1: Ein König brachte Kriege einst, zerstörte meine Stadt, und meinen Bruder schlug er tot, den Einz'gen, den ich hatt' Da war der Barde plötzlich still, das Volk blickt sich verwundert an. Der Fürst meint: "Soll das alles sein? Hat das Lied nur einen Reim?" Der Sänger hob hob erneut die Stimme, Stille herrschte um ihn her, jeder lauschte ganz gebannt der zweiten Strophe umso mehr. Lied 2: Ich nahm ein Schwert und tat den Schwur, der Rache und des Rechts, nach vielen Jahren steh' ich hier, die Klinge nach dir lechzt. Mit diesen Worten zieht er blank, durchbohrt des Fürsten böses Herz. Als dieser tot am Boden liegt, des Barden Herz ist frei von Schmerz. "Ein Lied hab' ich noch zu singen!", schreit Sänger hin zum Volk. "Dann könnt Ihr mich zum Galgen bringen, wenn Ihr es dann noch wollt. Lied 3: Jetzt ist er tot, die Rache mein, das Liedlein endet hier. Hört mir nur zu, den vor Euch steht der Sieger vom Turnier.